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Hans Kolumne

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Hans A. Burmeister

Liebe Leserinnen und Leser,

es w?re mir lieber gewesen, h?tte ich im scheidenden Jahr 2007 ?fter einmal Beifall klatschen k?nnen, anstatt st?ndig etwas zum Meckern zu haben. Wir wollen uns noch einmal erinnern:

Seit 2004 richten sich die Aktivit?ten von JAR-Contra und damit auch meine als Betroffener und Opfer der Ministerialb?rokratie gegen die Folgen der Einf?hrung restriktiver Regelungen bei der Beurteilung der Flugtauglichkeit, die mit dem 1.05.2003 in Deutschland griffen. Ohne unseren Protest w?re es kaum dazu gekommen, dass heuer die meisten Nachteile f?r uns wieder abgeschw?cht wurden.
Alle, die sich an diesem Protest und an Aktionen beteiligt haben, waren in diesem Zusammenhang JAR-Contra, ob bewusst, unbewusst, ob gewollt oder nicht. Wer sich mit den Zielen von JAR-Contra identifiziert, mit am gleichen Strang zieht, ist jemand von JAR-Contra. JAR-Contra ist eine Bewegung im Geiste wie im Handeln, jeder nach seinen M?glichkeiten, F?higkeiten und seiner Stellung in der Gesellschaft, im Verband, in der Politik oder im Verein, lautet die Devise.

Ich selbst finde mich darin wieder. Da weder Mitglied in einem Verein, einem Verband noch Politiker habe ich das getan, was ich am besten beitragen konnte. Ausflaggen ?ber Tschechien ist mit meiner Hilfe eine praktikable M?glichkeit geworden, Pilot bleiben zu k?nnen, auch bei gesundheitlichen Beeintr?chtigungen. Im Zweifelsfall, wenn der Fliegerarzt die Entscheidung nicht alleine treffen wollte, hat das tschechische Luftfahrtmedizinische Institut in Prag f?r 75 EUR pro Untersuchungstag (!) durch Urteil mehrerer beteiligter Fach?rzte die Verantwortung f?r die Erteilung eines Medicals ?bernommen. Dieser Weg hat sich in diesem Jahr weiter stabilisiert. Ausflaggen ?ber Tschechien wurde ein Ausweg und hat, wenn in einer Gruppe praktiziert, auch zudem noch Spa? gemacht.

2007 wurde das Jahr, in dem sich die Aktionen von JAR-Contra schwerpunktm??ig gegen den Irrsinn der Z?P richtete. Im Handstreichverfahren wollten die V?ter und M?tter der Z?P ohne DVO, ohne einheitliches Vorgehen in den L?ndern und bei den Bezirksregierungen durchsetzen, wor?ber ein potentieller Terrorist nur lachen kann. Die "Habe-Nichts-Zu-Verbergen-Leute" unter dem Fliegervolk, in den Vereinen und im Verband haben sich zun?chst in Scharen diesem Diktat unterworfen, trotz der Tatsache, dass sie damit auch freiwillig und auf eigene Kosten einen Teil ihrer B?rgerrechte opferten. Man versteht schon, sie wollten weiterhin fliegen d?rfen und keine pers?nlichen Schwierigkeiten bekommen. Der deutsche Widerstandsgeist regte sich nur sp?rlich. Ein paar wenige aus der Masse wagten dann doch den Aufstand. Sie verweigerten sich dem Diktat, zogen vor die Gerichte und suchten mit Spendengeldern gewappnet ihr Recht. Mit S. Gl?sing-Deiss oder anderen Juristen an ihrer Seite gelangen in diesem Jahr entscheidende Abwehrschl?ge gegen die allzu ?bereifrigen unter den B?rokraten. Mit der Twenny-Aktion gewann der Trend zur Umkehr den richtigen Schwung. Inzwischen wurde einigen Politkern n?mlich bewusst, dass da etwas falsch l?uft und sie bliesen zum R?ckzug. Zu bef?rchten ist jedoch, dass mit diesem Bundes-Innenminister die Z?P-Angelegenheit f?r die Leichtfliegerei nicht vom Tisch kommen wird. JAR-Contra mutierte also 2007 zur Z?P-Contrabewegung.

2007 stand auch im Zeichen der Auseinandersetzung mit dem DAeC. Was kann ein Mitglied von seinem Verband zu erwarten, wenn die Politik das, was dem Piloten das Wichtigste ist, immer mehr einzuschr?nken droht? Zumindest doch lautstarken Protest, Aktionen, Demonstrationsaufrufe, Solidarit?t mit den Betroffenen. Nichts dergleichen. In Braunschweig hat man sich nicht an die Spitze des Protestes gestellt. Eine Blamage. Piloten, die die Z?P verweigern, m?ssten doch finanziell und juristisch unterst?tzt und vor den Gerichten vertreten werden, so wie uns das die AOPA vor macht. Statt dessen Geheimdiplomatie und Kungelei nach dem Motto, wir wollen mal nehmen was wir kriegen k?nnen, es h?tte auch noch schlimmer kommen k?nnen. Jar-Contra war der ?berzeugung, dass der Verband durch seine innerstrukturellen Defizite handlungsunf?hig geworden ist. Das sehe ich auch so. Die Homepage des DAeC spiegelt das Trauerspiel wider. Zensur und Vernebelungstaktik bestimmen das Bild.

Der Fliegergemeinde hat der Stil der Auseinandersetzung mit der Verbandsspitze nicht immer gefallen. Meiner pers?nlichen Meinung nach h?tte trotz der Dramatik der antagonistischen Meinungen der ?ffentliche Disput zwischen Verband und JC nicht unter die G?rtellinie abrutschen d?rfen. Aber es ging um viel, vor allem bei den Betroffenen, die sich von ihrem Verband allein gelassen f?hlten und emotional aufgew?hlt nicht immer zu zivilisierten Mitteln griffen, auf beiden Seiten ?brigens.

2007 bewegte die Gem?ter unter den Piloten noch in anderer Hinsicht. Wir sehen auf uns zu kommen, dass die kontrollierten Luftr?ume immer mehr ausgeweitet werden. Es ist sicher schwierig dagegen an zu argumentieren, weil Sicherheit wichtig ist, auch f?r TMG- und GLD-Piloten. Die Zunahme der Flugbewegungen im kommerziellen Bereich ist eine Konsequenz aus dem Verhalten der Gesellschaften f?r m?glichst wenig Geld, schnell und oft den Standort, also die Region, das Land, den Kontinent erreichen oder verlassen zu k?nnen. Interessenkonflikte sind vorprogrammiert und machen auch um uns keinen Bogen. Dar?ber l?sst es sich auch mit dem Fliegervolk reden. Moderne Technologie k?nnte ?ber die H?rden helfen, wenn sie denn erschwinglich bleibt und keine unzumutbaren H?rten durch pauschalierende Regelungen hervorbringt. Als JAR-Contra sich aber mit dilettantischen Vorstellungen von Technikl?sungen beim Steuern von Warnanlagen bei Windr?dern konfrontiert sah, wurde man gewahr, dass man sich nicht einfach der Inkompetenz der Macher blind anvertrauen darf. Wenn die Betroffenen sich nicht wehren, wer dann? Die Diskussion im externen Forum von JAR-Contra belegt, dass man durchaus L?sungen gemeinsam finden k?nnte.

Claus-Dieter Zink betont immer wieder, dass es das gro?e und heere Ziel von JAR-Contra sei, diese Bewegung ?berfl?ssig zu machen. Vielleicht sind die Voraussetzungen daf?r nach diesem Jahr g?nstiger, weil ein neuer Vorstand des DAeC evtl. die Zusammenarbeit mit den Andersdenkenden unter seinen Mitgliedern suchen wird. Ich w?rde mich einem solchen Bestreben nicht widersetzen. Vielleicht bin ich im kommenden Jahr wieder Verbandsmitglied. Skepsis bleibt jedoch angebracht. In diesem Sinne ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Fliegerjahr!

Hans A. Burmeister

Zuletzt aktualisiert am Montag, 07. Oktober 2013 um 10:14 Uhr