www.jar-contra.de

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Eddi, noch nicht wieder tauglich

E-Mail Drucken PDF
Benutzerbewertung: / 7
SchwachPerfekt 

Eddi sandte im Juli eine Bestätigung eines Facharztes zum AMC, das ihn wieder flugtauglich schreiben sollte. Aufgrund von Arbeitsüberlastung und Krankheit des Arztes im AMC hat er die Tauglichkeit bis zum 03.11.04 nicht bestätigt.

Und jetzt schreibt Eddi:

"Daraufhin forderte er mich auf, mich nochmals bei meinem Facharzt untersuchen zu lassen und Ihm die Untersuchungsergebnisse in einem aktuellen Arztbrief vorzulegen, da ja das vorliegende Gutachten meines Facharztes schon älter als 3 Monate ist."

Weiter äußert sich Eddi in einem Brief

Sehr geehrte Damen und Herren,

durch die massive Zunahme von Verordnungen und bürokratischen Auflagen wird das persönliche Engagement der ehrenamtlich tätigen Bürger in Frage gestellt. Letztendlich führt dieses zur Resignation und stark nachlassender gesellschaftspolitischer Verantwortung vieler Bürger.

Der Grund hierfür liegt darin, dass die Politik versucht die absinkende gesellschaftliche Moral durch immer engere Verordnungen und Gesetze, die jedes Detail regeln sollen, aufzufangen. Dieses kann nicht funktionieren! Das beweisen viele Versuche von Staaten, die diesen Weg gegangen sind. Auch die Mitbürger aus Ostdeutschland werden dieses aus ihren leidvollen Erlebnissen bestätigen können. Oder lesen Sie einfach Orson Welles, der dieses Phänomen bereits in seinem Roman „Big Brother" veranschaulicht hat.

Der Grund dieses Briefes ist mein massiver Protest gegen die erheblichen Einschränkungen, die ich als begeisterter Segelflieger, aufgrund neuer EG-Richtlinien, z Z. persönlich erleben muß. Aufgrund einer Erkrankung im Mai diesen Jahres, die bereits im Juli vollständig ausgeheilt war, bin ich bis heute noch fluguntauglich geschrieben.

Für die private Luftfahrt, gelten seit der Einführung des JAR FCL, im Mai diesen Jahres, die neuen EG-Richtlinien. Damit wurden die seit Jahren bestens bewährte Strukturen zerstört. Hier ist offensichtlich die Übersetzung der Richtlinien in deutscher Gründlichkeit erfolgt, was zur Folge hat, dass wir Privatpiloten die gleichen medizinischen Voraussetzungen erfüllen müssen, die auch Berufspiloten der Lufthansa oder Jetpiloten der Bundeswehr erfüllen müssen. Das geht vollkommen an der Praxis vorbei und weit über das Ziel hinaus. Hier schießt man mit Kanonen auf Spatzen.

Keiner der zuständigen Bürokraten möchte einen Fehler machen. Daher legt der deutsche Beamte diese neuen Richtlinien erst einmal so aus, dass ihm kein Fehler nachgewiesen werden kann. In anderen europäischen Ländern werden diese neuen Richtlinien wesentlich praxisbezogener gehandhabt.

Die bisher zuständigen zertifizierten Fliegerärzte wurden in ihrer Kompetenz beschnitten. Heute dürfen sie nur noch in sehr eingeschränktem Maße darüber entscheiden, ob jemand flugtauglich ist oder nicht, da dieses jetzt von der staatlichen Behörde bearbeitet wird. Gesundheitliche Einschränkungen, wie z.B. ein grippaler Infekt über eine Dauer von 14 Tagen oder ein stationärer Krankenhausaufenthalt von mehr als 12 Stunden führen bereits zur Fluguntauglichkeit, die bei dieser Behörde gemeldet werden muß. Wie steht es hier mit dem Datenschutz? Persönliche Erkrankungen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht!

So warte ich jetzt bereits seit über 2 Monaten auf eine Entscheidung der neuen zuständigen staatlichen Überwachungsstelle über meine Flugtauglichkeit. Mein Facharzt hat bereits im Juli bescheinigt, dass die Krankheit endgültig ausgeheilt ist und keine Einschränkung bzgl. meiner Flugtauglichkeit mehr gegeben ist.

Eine Selbstverantwortung des einzelnen Piloten/Bürgers ist hier nicht mehr gefragt! Bisher hat sich auch kein Pilot in das Flugzeug gesetzt, wenn er sich gesundheitlich nicht wohl fühlte. Staatliche Gremien sollten sich nicht über die Selbstverantwortung ihrer Bürger hinwegsetzen, sondern vom Grundsatz davon ausgehen, dass der Bürger sehr wohl in der Lage ist ohne bürokratische Detailreglementierung, bestehende Vorschriften einzuhalten.

Eine Notwendigkeit die bisherige Verfahrensweise zu verändern gibt es nicht. Unfälle in der privaten Luftfahrt, die auf medizinische Probleme der Piloten zurückzuführen sind, machen einen zu vernachlässigenden Prozentsatz aus. Warum werden eigentlich nicht alle Autofahrer mit gleichen Auflagen am Fahren gehindert? Hier ist das Gefährdungspotential wesentlich größer als in der privaten Luftfahrt. Oder man sollte gleiche Gesundheitsprüfungen für Schwimmer vom Staat erlassen. Hier sind nach meinem Kenntnisstand im Jahr 2003 über 400 Menschen in Deutschland ertrunken. Sicherlich auch viele, die gesundheitlich bedingt waren.

Flugunfälle sind eher darauf zurückzuführen, dass Risiken nicht erkannt bzw. bewusst eingegangen werden. Diese Problematik kann man aber nicht durch strengere Verordnungen verändern sondern nur durch eine konsequente Ausbildung und Betreuung der Privatpiloten. Diese Ausbildung und auch die Betreuung der Piloten erfolgt in den Vereinen selbst, in eigener, gewachsener Verantwortung und kann nicht durch staatliche Reglementierungen ersetzt werden.

In den Vereinen wird eine gute und bewährte Basisarbeit geleistet. Dieses zeigen die rückläufigen Flugunfallstatistiken der letzten Jahre eindeutig. Die Arbeit in den Vereinen wird ausschließlich von ehrenamtlichen Mitgliedern geleistet. Insbesondere die jugendlichen Nachwuchspiloten profitieren nicht nur von der fliegerischen Ausbildung sondern lernen beim Luftsport Verantwortungsbewusstsein und praktische Fähigkeiten um diese für die persönliche und berufliche Zukunft nutzen zu können.

Diese Ausbildung ist stark gefährdet, da es zukünftig aufgrund der neuen Richtlinien kaum noch erfahrene Fluglehrer geben wird. Über 45-jährige Fluglehrer werden auf Basis der neuen medizinischen Vorgaben zukünftig nicht mehr flugtauglich sein!

Wer gewährleistet dann die Weiterführung der bisherigen qualifizierten Ausbildung. Macht das der Staat in neuen Jugendausbildungslagern??? Das kann ich mir nicht vorstellen. Die bisherige unentgeltliche Ausbildung in den gemeinnützigen Vereinen kann der Staat nicht ersetzen.

Liebe Politiker, lasst Euren Bürgern soviel Freiheiten, dass sie noch Lust haben engagiert in der Gesellschaft mitzuwirken. Mit der rasant zunehmen Bürokratie erstickt Ihr jegliches Engagement und zerstört damit die Vereine und die gewachsenen Strukturen in Deutschland.

Seit ca. 30 Jahren bin ich ehrenamtlich und unentgeltlich in der Segelfluggruppe Münster tätig, davon 20 Jahre als Fluglehrer.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass der Eingangsbestätigung meiner Fluguntauglichkeit bei der zuständigen Behörde, einen Kostenbescheid von 650,--EURO (sechshundertundfünfzig) beigefügt war. Selbstverständlich werden weitere Kosten für die neu geschaffenen Institution der aeronautical-medical-centers, die für die staatliche Beurteilung der Flugtauglichkeit geschaffen wurden, anfallen. Auch der von dieser Stelle beauftragte „luftfahrtgeprüfte" Fachgutachter wird eine Rechnung stellen. Insgesamt rechne ich also mit Kosten von bis zu 2.000,- € um meine ehrenamtliche Tätigkeit zur Förderung des Gemeinwohls wieder ausüben zu dürfen.

Verkehrte Welt, wenn ehrenamtlicht Tätigkeit mit nicht nachvollziehbaren Reglementierungen und absurden Kosten der staatlichen Gewalt belegt werden. Es bedarf schon erheblicher mentaler Eigenmotivation mich auch weiterhin dem Gemeinwohl engagiert zur Verfügung zu stellen.

Ich wäre sehr an Ihrer Meinung und an Ihrem Engagement zu diesem konkreten Thema interessiert. Insbesondere wie weit die Politik die Bürokratisierung noch weitertreiben will und ob sie an ehrenamtlichem Engagement der Bürger im Sinne einer Jugendförderung noch interessiert ist.

Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung


Zuletzt aktualisiert am Samstag, 12. März 2005 um 15:22 Uhr