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Hans B - Bypass: 1813 EUR

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Hier ein Fallbeispiel, was sich gegenw?rtig in Anwendung der JAR FCL abspielt:



Zu meiner Person:

1. Fliegerabschnitt 1953 bis 1960 in der DDR, ca. 100 Stunden mit Segelflugzeugen ein- und doppelsitzig. Gegroundet wegen Westverwandschaft. Seit 1984 im zweiten Fliegerabschnitt fliege ich Segelflugzeuge und Touringmotorsegler. Bin heute 67 Jahre alt und habe ca. 800 Flugstunden im Buch.

Im August 1991 kam es zu einer Bypass-OP ohne vorherigem Herzinfarkt. Verlief alles bestens. Da ich noch einen g?ltigen Flugschein besa? lie? mich im April 2002 eine tschechischer Fliegerarzt wieder tschechische Blaniks fliegen. Keine Probleme.

Der Weitere Verlauf: Anfang Nov. 2002 bat ich die zust?ndige Beh?rde bei der Bezirksregierung meine Flugtauglichkeit nach III Nfl II ?berpr?fen zu lassen. Sie legte daraufhin meinen Antrag am 13.11.02 beim Luftfahrtbundesamt vor. Dieses best?tigte den Eingang mit Schreiben vom 4.06.03 (warum erst 7 Monate sp?ter?) mit der Mitteilung, dass die Akte an den zust?ndigen Gutachter des Flieger?rztlichen Ausschusses Dr. B. Haaff Kaiserslautern weitergeleitet wurde. Am 20.06.03 war eine Verwaltungsgeb?hr von 613,55 EUR f?llig.

Am 1.07.2003 best?tigte mir Dr. Haaff, dass die Unterlagen vorliegen und noch einige Unterlagen beigebracht werden sollten. Nach ca. 30 Tagen fragte ich nach, wie es stehe. Alles stehe gut, aber fliegen w?rde wohl nur mit Sicherheitspilot m?glich sein, wenn ?berhaupt, es sei denn, ich bringe ein Ergebnis einer neuerlichen Herzkatederuntersuchung bei (Kosten ca. 1200 EUR). Die konnte ich am 25.08.2003 durchf?hren lassen und sandte die dabei gemachte CD-ROM zusammen mit 12 Kanal Belastungstungs-EKG und 24 Stunden Langzeit-EKG unmittelbar danach nach Kaiserslautern. Dr. Haaf muss Die CD-ROM und Untersuchungsergebnisse meines Kardiologen im September in den H?nden gehabt haben. Es vergingen Monate. Anruf bei Dr. HAAFF kurz vor Weihnachten. Mit dem Herzen s?he es sehr gut aus. Ich m?sse nicht pers?nlich bei ihm antreten. Aber die Augen. Die von meiner Augen?rztin vorliegenden Werte sind nach JAR FCL nicht mehr ausreichend. Es m?sse ein Weiteres Gutachten gefertigt werden, um zu kl?ren, ob es eine Sondergenehmigung geben k?nne. Am 5.01.04 Mailte mir Dr. Haaff, dass er meine Akte Frau Dr. Stern, Augen?rztin Beim AMC K?ln vorgelegt habe. Wochen vergingen. Anruf in Kaiserslautern. Auskunft: Die Unterlagen seien l?ngst beim LBA. Mail an Dr. Kirlies pers?nlich. Mail zur?ck: Die Unterlagen wurden noch einmal an Dr. Haaff zur ?berarbeitung geschickt. Anruf bei Dr. Haaff: Es muss noch ein weiteres augen?rztliches Gutachten angefertigt werden. Wir Schreiben inzwischen Mai 2004. Nebenbei die Bemerkung, dass seine bisherige gutachterliche Stellungnahme nicht justiziabel gewesen sei. Das LBA forderte ein eindeutiges "Untauglich" von ihm. Wochen vergehen. Die Flugsaison sah ich dahinschmelzen. Das zweite augen?rztliche Gutachten fertigte Dr. F.-J. Daumann. Beide Augen?rzte verfassten einen negativen Bescheid. ohne mich zu sehen, lediglich aufgrund der Daten meiner Augen?rztin in Stade, die meinen Visus so gut fand, dass sie nicht mit einem negativen Bescheid rechnen wollte. Beide Gutachten sind also ohne meine Anwesenheit aufgrund rein formaler Faktenlage negativ beschieden worden. Am 24.09.2004 ! traf das LBA folgende Entscheidung: ... ist fliegeruntauglich f?r alle Klassen. Jetzt w?rtlich die Begr?ndung: Bei dem Piloten bestehen zwei schwere gesundheitliche Einschr?nkungen:

1. eine koronare Herzerkrankung
2. eine die Tauglichkeitsanforderungen ?berschreitende Hyperopie.

Weiter w?rtlich: S?mtliche Nachuntersuchungen zeigten ein optimales Operationsergebnis. ... Nach JAR-FCL 3 deutsch Anhang 1 zu den Abschnitten B und C Absatz 7 kann ein asymptomatischer Bewerber, der seine Risikofaktoren f?r Gef??ver?nderungen zufriedenstellend reduziert hat und keiner antiangin?sen Medikation mehr bedarf, 6 Monate nach einer koronaren Bypass Operation, in seiner Fliegertauglichkeit ?berpr?ft werden.

Ad. 2: Bei .... besteht eine ausgepr?gte Hyperopie, die mit den Tauglichkeitsanforderungen nach JAR FCL 3 deutsch nicht mehr kompatibel ist. Auch nach den bis zum 30.04.2003 g?ltigen Nfl w?rde keine Tauglichkeit bestehen.

Im augen?rztlichen Befund von Frau Dr. Sch ... (meine ?rtliche Augen?rztin) wird eine Hyperopiekorrektur von rechts 6,0 Dioptrien und links von 5,0 Dioptrien angegeben. Zus?tzlich wird in der Brille offensichtlich noch ein Astikmatismus ausgeglichen mit - 1,5 Dioptrien rechts und -1,0 Dioptrien links, so das LBA. Mit dieser Korrektur wird leider ein Fernvisus von 0,6 rechts und 0,9 links erreicht. Bei ansonsten unauff?lligem Befund der Augen muss somit eine Unterkorrektion vorliegen, ist deshalb zu folgern, dass die Hyperopiewerte noch h?her liegen als angegeben.

Beide Gutachter kommen ?bereinstimmend zu dem Schluss, dass bez?glich des Sehfehlers keine M?glichkeit zu einer Erteilung einer Sondergenehmigung besteht.

Unterkorrigierte Hyperopien k?nnen ... (Visusherabsetzung, astenope Beschwerden, Kopfschmerzen, Augentr?nen, Verschwommensehen. Naheinstellung ist erschwert.) Die zur Korrektur notwendige Form der Gl?ser ... Abbildungsfehler, paralaktische Verschiebungen. Gesichtsfeldeinschr?nkungen, Erforderlich seien Trifokalgl?ser, Gewicht, Dislozierung, Helligkeitsverlust, Blendempfindlichkeit. (Diese Stichworte nur als Hinweis, wie viel M?he sich die Gutachter gegeben haben, hypothetische Gr?nde zu finden, warum eine Sondergenehmigung abzulehnen sei. Und das alles, ohne mich zu pr?fen.

Zum Schluss noch die Zusammenfassung: es liegen ... zwei schwere Einschr?nkungen der Fliegertauglichkeit bei dem Antragsteller vor, wobei die Erkrankung der Augen die f?hrende, die Flugtauglichkeit unmittelbar ausschlie?ende Erkrankung ist.

Meine eigene Zusammenfassung: Ich habe einen korrigierten Visus von 100 % beid?ugig, auf dem rechten Auge sehe ich immerhin noch 80%. Nichts von allen m?glichen Einschr?nkungen, bei leichter d?nn geschliffener und entspiegelter Brille. Reservebrille war stets an Bord. Herzkreislaufm??ig bin ich ein alters?berdurchschnittlich fiter Sportlehrer im Ruhestand, der im Winter 40 Km durch die Loipe zieht und dem 20 Km Inlinern keine ?bergro?e Anstrengung bedeuten. Ich bin mit der Art der Begutachtung und der Begr?ndung der Untauglichkeit nicht einverstanden. ?brigens gab es keine Belehrung ?ber Rechtsmittel, die ich gegen dieses Urteil einlegen kann. Hans
Zuletzt aktualisiert am Montag, 07. Oktober 2013 um 10:15 Uhr