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Potemkinsche Dörfer aus dem BMVBW

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Über die Durchführungsverodnungen von JAR FCL 3 'deutsch' wird viel diskutiert. Fakt ist, dass unter anderem ein Fliergerarzt am Flughafen in Stuttgart hier eine Rolle gespielt hat. Aber nicht nur Fliegerarzt Dr. Roland Quast und der Leiter des Referats Flugmedizin im LBA, Dr. Andreas Kirklies, haben hier an den Fäden gezogen. Schon im Vorfeld sind nach Auskünften von LBA Mitarbeitern bereits einige Weichen gestellt worden.

Quast, aus einfachen Verhältnissen stammend, ist fleißig und arbeitet sich im Laufe der Jahre langsam hoch, so weit hoch, dass er auf dem zweiten Bildungsweg bald den Hochschulzugang erwirbt, das Medizinstudium erfolgreich beendet, und sich für den Bereich der Flugmedizin interessiert. Er tritt in den Vorstand des Hartmannbundes ein, verfasst dort den einen oder anderen Artikel und entwirft sogar eine Arztsoftware, die er nach seinen Vorgaben entwickeln lässt. Heute ist er Leiter eines von ihm gegründeten flugmedizinischen Zentrums am Flughafen Stuttgart.

Als Segelflugpilot nimmt er im August 2001 mit einem Nimbus 4 Turbo, der zu dieser Zeit als eines der größten zu erwerbenden Segelflugzeuge galt, an einem Segelflugwettbewerb in der Offenen Klasse teil. Quast landet auf dem vorletzten Platz, der letzte in der Wertung ist mit null Punkten offenbar nicht gestartet.

Bald findet man ihn auf dem Vorsitz des deutschen Fliegerarztverbandes (DFV), einem Zusammenschluss von Fliegerärzten, meist selbst Piloten, welche teils aus Selbstlosigkeit und, um Ihre fliegenden Vereinskameraden zu unterstützen, bezahlbare Untersuchungen anbieten, teils decken die dafür erhobenen Gebühren gerade den Aufwand. Nicht so bei Herrn Quast, sein Verein, in Münsingen auf der Schwäbischen Alb, berichtet inzwischen über eine Passivierung der Mitgliedschaft. Über die genauen Gründe ist noch wenig bekannt, bekannt ist aber, dass Quast die Untersuchungen zum vollen Preis abgerechnet hat, zwei davon konnten Ihre Tauglichkeit zunächst nicht mehr erlangen, einer von beiden kämpfte erst kürzlich noch um seine Lizenz, hohe Geldsummen für Gutachten sind im Gespräch. Man unterhält sich auf einem Niveau miteinander, die Betroffenen kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Regelmäßig fährt Quast zum LBA nach Braunschweig, als Fliegerazt und Vorsitzender berät er zunächst Dr. Wurster, den Vorgänger von Kirklies, inzwischen kein Unbekannter mehr, denn der Name findet sich im Internet auf einigen Seiten, die einen Rechtsstreit zwischen gegroundeten Piloten und ihm beschreiben. Wurster (Bild) ist zuständig für die Zulassung von Aeromedical Centern.

Dieser betreut selbst eine Internet-Seite 'aeromedinfo.de', welche sich zu diesem Zeitpunkt, man staune, als offizielles Organ des Aeromedical Centers Germany am Flughafen Stuttgart ausgibt. Als Urvater des Wesens der Fliegertauglichkeit in Deutschland und der dazugehörigen Gesetze findet Wurster keine Erklärung, wozu es nutzt, Tauglichkeitskriterien weit oberhalb der ICAO Richtlinien einzuführen. Die AOPA hat längst bewiesen, dass die Tauglichkeit für Unfälle in der allgemeinen Luftfahrt eine bedeutungslose Rolle spielt. Er schreibt dazu lapidar: 'Weil es Gesetz ist'. Quast und Wurster treten mehrmals auf Fortbildungsveranstaltungen auf. Auf einer solchen Veranstaltung sitzen mehr als 190 Fliegerärtze im Saal und warten auf Quast, der unentschuldigt nicht erscheint.

Später berät Quast den laut PuF (pilotundflugzeug.de) als massiv unterqualifiziert beschriebenen Dr. Andreas Kirklies (Bild), der in diesen Tagen die Aufgabe hat, JAR FCL 3 in deutsches Recht hineinzuimplementieren. Auf den entscheidenden Hearings sitzt Quast als Fliegerarzt und Segelflugexperte und spricht sich für einheitliche und übersichtliche Verfahren aus. Offenbar so übersichlich, dass man die Zahl der flugmedizinischen Zentren, die Gutachten ausstellen dürfen, an einer Hand abzählen kann.

Seine Gunst in Braunschweig wächst, niemand scheint sehen zu wollen, dass Quast hier genau an den Schrauben dreht, die später die Grundlage für sein Aeromedical Center 'Germany' bilden. Man staune über die Bezeichnung, besser kann man in Bezug auf einen Mini-Betrieb mit Vertretung eines in Braunschweig niedergelassenen Arztes, Dr. Peters, und eines Arztes in Hannover, eigentlich nicht übertreiben. Nicht nur die Zulassung scheint ihm zu zuzufliegen, man versteht in vielen Kreisen wie z.B. dem DFV nicht, wie es zu dieser Bezeichnung kommt, da es nur ein Zentrum unter anderen vier Zentren in Deutschland ist.

Nochmal zurück zum Fliegerarztverband und ein wenig in der Zeit. Eine Zeit lang geht das alles gut, dann kommt es auf einer Mitgliederversammlung Anfang 2001 zum Eklat. Quast taucht mit Rechtsanwalt auf, der weder Mitglied noch geladen ist, noch ist eine Bezahlung des Herren von den Mitgliedern abgesegnet. Das wundert kaum, denn von unlauteren Vorgängen, großzügigem Umgang mit Verbandsgeldern ist die Rede und der Vorsitzende ist selbst im Gespräch. Ein Büro in der fliegerärzlichen Untersuchungsstelle am Flughafen in Stuttgart wurde eigens für die Tätigkeit als DFV Vorsitzender eingerichtet. Auch ist inzwischen klar, dass nur sehr wenigen Fliegerärzten und Zentren die Gunst zukommen soll, ein flugmedizinisches Zentrum zu sein. Die Anforderungen sind hoch geschraubt, Quast scheint sie irgendwie mit Leichtigkeit alle zu erfüllen. So kocht die Stimmung über, es kommt es zum Misstrauensvotum, der Verdacht drängt sich auf, dass Quast eigene Interessen verfolgt, Quast ist von einem Moment zum anderen nicht mehr Vorsitzender des DFV, er muss den Hut nehmen. Das Büro am Flughafen in Stuttgart wird aufgelöst.

Doch das Wissen, vermutlich auch die Beziehungen, die er sich durch fleißige Besuche in Braunschweig erworben hat, helfen ihm, sein ACG auf die Beine zu stellen. Das läuft alles wie geschmiert. Durch diese Konstellation, nur sehr wenige flugmedizinische Zentren dürfen Gutachten erstellen, ganze fünf an der Zahl, entsteht ein enormer Vorteil für Quast. So werden mitunter nur nach Aktenlage Gutachten ausgestellt, ohne daß er den Piloten je gesehen hat, und er rechnet für den Schreibaufwand mitunter mehrere hundert EUR ab. Der Präsident des deutschen Aeroclubs Gerd Allerdissen kommentiert die aktuelle Praxis bei den Tauglichkeitsuntersuchungen scharf und spricht vom Honorarersatz bestimmter Ärztegruppen durch verfehlte Gesundheitsreformen. Welche Ärztegruppen gemeint sind, lässt Allerdissen offen. Dr. Beyerle spricht auf der Seite des DFV (fliegerarztverband.de) eine klare Sprache, 99 Prozent der Flugmediziner, das ist die Zahl denen nicht die Gunst eines flugmedizinischen Zentrums zuflog, sind sicherlich nicht die Gewinner.

Niemand weiß jedoch bis heute, wie Quast die nach LuftVZO §24e geforderte Uniklinikanbindung (siehe Anhang ) erfüllt. Diesbezügliche Anfragen bei ihm werden einfach nicht beantwortet. Auf eine Anfrage beim BMVBW verweisst Herr Dr. Manfred Wittmann auf die vertragliche Bindung des Aeromedical Centers Germany (ACG) mit der Uni-Klinik Tübingen. Die Uniklinik in Tübingen antwortet jedoch auf eine Anfrage, über Verträge mit einem Herrn Dr. Quast oder einem ACG, ist nichts bekannt. Auch sind laut telefonischer Auskunft dort in den letzten Jahren keine fliegerärztliche Untersuchungen oder Gutachterverfahren durchgeführt worden. Potemkinsche Dörfer zur Vorspiegelung 'heiler Welt' aus dem BMVBW?

Die Sache wird immer dubioser, die Internet Domain www.aeromed.de des in Stuttgart angesiedelten Aeromedical Centers, verweist auf die Hermann-Blenk Str. 22 in Braunschweig, das Luftfahrt Bundesamt ist nur wenige Meter entfernt. Der eingetragene Ansprechpartner 'Kasties Kasties' ist in der Form in der BRD nirgendwo gemeldet. Ein klarer Verstoß gegen die Impressumspflicht.

Quasts Nachfolger im Fliegerarztverband, Dr. Beyerle, wird in Braunschweig nicht gehört. Stattdessen steht stets Quast in Braunschweig auf der Matte, immer wenn die Felle wegzuschwimmen drohen, wird gegengesteuert. Und so wundert es kaum, dass aus dem BMVBW Aussagen kommt wie: 'Fliegerärzte und die Piloten wären verwirrt', auf die Frage, warum es keine Tauglichkeitsklasse z.B. für Segelflieger, nach Modellen wie im Ausland geben darf. Und es bleibt nicht aus, dass Quast plötzlich auf seiner Seite einen Artikel ins Netz stellt, worin er erklärt, die Vorgaben kämen von der JAA, und davon die JAR FCL3, Klasse 2 regle privates Fliegen, und damit auch den Segelflug. Mit unmissverständlichen Schreiben auf den Irrtum hingewiesen, verschwindet der Artikel schnell wieder von seiner Seite. Jar Contra verliert nichts, man kann ihn heute noch im Forum lesen. Quast bricht darin eine Lanze für die schärferen Grenzwerte, Klasse 1, die für die kommerzielle Fliegerei gedacht ist, und Klasse 2 liegen nur um Haaresbreite auseinander, Quast begründet die scharfen Grenzwerte mit der Luftraumstrukur in Deutschland und mit Wettbewerbsfliegern, und praktiziert diese natürlich gesetzestreu in dieser Form. Er schreibt 14 von 100 überprüften Piloten konnten bei Ihm im vierten Quartal 2004 die Tauglichkeit nicht mehr erlangen.

Nun stehen inzwischen über 150 Piloten der Lufthansa an einer handvoll flugmedizinischen Zentren an, warten zum Teil gesunde Piloten monatelang auf Ihre Gutachten wegen Farbsehschwäche oder einer winzigen Überschreitung eines von 98 Grenzwerten, der Arbeitgeber zahlt ein paar Wochen, dann ist der Job im Cockpit weg. Ein Vereinskollege erzählt mir von einem Sozialfall, den er kürzlich getroffen hat. Aber nicht nur Berufspiloten auch Freizeitflieger trifft es hart. Weder das Aeromedical Center Germany noch eines der anderen flugmedizinischen Zentren ist dem Ansturm, vor dem mehrfach gewarnt wurde, gewachsen. Man kann in der Zeitung 'Der Fliegerarzt' die ganze Geschichte nachlesen. Die Anträge auf Gutachten stapeln sich am Flughafen in Stuttgart. Im November 2004 werden nur noch Gutachten gemacht, einen Termin zur Nachuntersuchung bekam man nicht mehr.

Die Lufthansa, bald unter Pilotenmangel leidend, verbucht einen wirtschaftlichen Schaden in zweistelliger Millonenhöhe, und verfolgt die Sache im Internet. Jar Contra und betroffene Privatpiloten reden sich den Frust vom Hals. Während Berufspiloten sich bedeckt halten, die Existenz und der Ruf der Fluglinie stehen auf dem Spiel, nennen Privatpiloten die Dinge beim Wort. Und so treffen sich im Januar ranghohe Mitarbeiter aus dem LBA, dem BMVBW, sowie der Fluglinien, um über einen Ausweg zu beraten. Eine Besprechung mit dem DAEC, Fliegerärzten und Vertretern des LBA in Seeheim wird anberaumt. Quast ist in Seeheim nicht gut auf die neuen Verfahren zu sprechen, die medizinischen Apparaturen, großteils mit Bankkrediten finanziert, eiligst in der Untersuchungsstelle in Stuttgart aufgestellt, drücken schwer auf den Schuh.

Dennoch, die Vernunft siegt, der Rundblitz von Herrn Beyerle bringt es an den Tag, Kirklies fegt übernacht den AMC Zwang vom Tisch, von nun an, darf jeder Klasse 1 Fliegerarzt ebenfalls Gutachten ausstellen. Die eiligst korrigierte Verordnung sieht nach einer Fernsteuerung aus. Langsam kehren viele Piloten wieder ins Cockpit zurück. Quast macht im Februar 2005 in der Zeitung, im Teckboten Werbung für sein Aeromedical Center Germany, er schreibt: "Piloten müssen gesund sein".
So sei es, es ist ja Gesetz.

Eckhard Völlm


Der Skandal um die fehlenden gesetzlichen Vorschriften bei Aeromedical Centern weitet sich aus. Inzwischen ist bekannt, dass auch das AMC Fürstenfeldbruck keine Zusammenarbeit mit einem Uniklinikum pfelgt. Dr. Manfred Wittmann (BMVBW) verweist auch hier auf eine angebliche Zusammenarbeit mit der Maximilian-Universität in München: Schreiben aus dem BMVBW. Eine entsprechende Anfrage bei der Maximilian Universität wurde auch hier negativ beschieden: Antwort Uniklinikum München. Es fragt sich, ob im Schatten neuer Pappfassaden nicht bald von einem Potemkinschen Staat gesprochen werden muss.

Anhang:
In der LuftVZO §24e steht: "Eine Einrichtung kann vom LBA als flugmed. Zentrum anerkannt werde, wenn sie ... 2. a) im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt und einer Universitätsklinik angeschlossen ist oder vertraglich mit dieser zusammenarbeitet..."
From: "Regina Nicolaidis"
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Cc: "Michael Bamberg" < Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. >
Subject: Wtrlt: Aeromedical Center Germany, Vertragliche Bindung?
Date: Tue, 10 May 2005 08:50:40 +0200
X-Mailer: Novell GroupWise Internet Agent 6.5.3


Sehr geehrter Herr Völlm,

nach Rücksprache mit unserer Rechtsabteilung und Nachfrage in den Abteilungen, die flugmedizinische Untersuchungen durchführen, dürfen wir Ihnen mitteilen, daß uns keine Verträge mit ACG bzw. Herrn Dr. Quast bekannt sind.
In der Hoffnung, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben und mit freundlichen Grüßen von Herrn Professor Bamberg

Regina Nicolaidis, M.A.
Leitung Geschäftsstelle Aufsichtsrat und Klinikumsvorstand Universitätsklinikum Tübingen
Geissweg 3, 72076 Tübingen
Tel: 07071/298 00 10
Fax: 07071/29 3966

Schreiben vom BMVBW mit Hinweis auf die vertragliche Bindung mit Tübingen
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 29. Januar 2006 um 23:03 Uhr