LBA: Bewusste Manipulation von JAA Vorgaben?

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Tausende Piloten mit einer verbreiteten Anomalie beim Stereosehen dürfen in der Bundesrepuplik Deutschland nicht einmal einen Segelflugschein machen. Dies geschieht aufgrund des geforderten JAR FCL Medicals sie sind für immer untauglich, oder werden mit vierstelligen Beträgen in irgendwelchen Aeromedical Centern für Gutachten zu Kasse gebeten. Ohne Garantie einer Tauglichkeitsbescheinigung versteht sich.

Das verwundert kaum, denn der Wortlaut der JAR-FCL 3.220 (c) deutsch lautet: "Bewerber mit signifikanter Beeinträchtigung der Stereopsis müssen als untauglich eingestuft werden".
Der Skandal: In den Vorgaben der JAA heißt es dagegen: Wortlaut JAR-FCL 3.220 (c) (aktuelles 4. Amendment von August 2005): "There is no stereoscopic test requirement" sprich es gibt keine Notwendigkeit, einen stereoscopischen Test durchzuführern (!).

Während also etwa die CAA in England unter JAR-FCL 3 von keinem Verkehrspiloten Stereosehen oder den Test desselben verlangt, kann man in Deutschland unter JAR-FCL 3 ohne Stereosehen nicht einmal Segelflugzeuge fliegen. Wer sich in der Materie auskennt versteht kaum diese deutsche Sonderregelung, da das menschliche Auge nur im Nahbereich bis wenige Meter überhaupt Stereosehen aufweist. Bis auf Eulen kann auch kein Vogel der Welt überhaupt stereosehen, da die Augen seitlich angebracht sind und sich das Sehfeld der beiden Augen gar nicht, oder nur minimal überlappt. Ausserdem wird die Tiefenwahrnehmung in der Entfernung nur durch die Größe und die Bewegung von Objekten bestimmt, und nicht durch binokulares Sehen, das nur im Nahbereich bis wenige Meter eine signifikante Rolle spielt.

Allein dieser kleine Absatz führt in der Zeit nach der JAR FCL 3 Einführung in der Konversionsphase der alten Medical zu JAR Medical zu einem immensen Bedarf an Gutachen, und diese weisen den Bewerber dann in der Regel als untauglich aus. Die zunächst exklusiv mit dieser Aufgabe beauftragten Aeromedical Center konnten dadurch Gutachten abrechnen. Uns sind Fälle bekannt, in denen die Piloten über 4 stellige Summen hinnehmen mußten. Für Berufspiloten bedeutete dies wie kürzlich hier berichtet, einEnde der Karriere, und das selbst nach Überweisung von über 1034 EUR an ein Aeromedical Center. Dieses beschied dem Piloten genau diesem Punkt keine JAR Konformität.

Dr. Jürgen Knüppel spricht in seinem Beitrag im Aerokurier: Alternativen zum "JAR" Medical von neuen Ansätzen. Gesetzgeberischen Maßnahmen wie eine Qualitätskontrolle flugmedizinischer Regularien sollen Nachteile der Betroffenen wirksam verhinden. Er schreibt dazu: "Dies soll sicher stellen, dass es keinen „professionellen Missbrauch“ zum Nachteil, wie bei unseren Sportpiloten in den vergangenen Monaten in Deutschland mehr geben wird."

Der betroffene Pilot schrieb dazu im Gästebuch von Jar Contra:
Der skizzierte Übertragungsfehler kann kaum als Versehen interpretiert werden, sondern nur als bewusste Manipulation.

Zwar sind seit Ende 2005 im Bereich nationaler Lizenzen tatsächlich Änderungen im Gespräch, siehe hierzu die News-Seite von Dr. med Rudolf Fischl (FUM München), hier wird unter Punkt 2) ein "Neues nationales Medical" erwähnt. Dies sind jedoch derzeit nur Pläne. Nichts aus diesen Plänen ist bis heute umgesetzt und wird auch in Zukunft Berufsflugzeugführern in keiner Weise helfen, da sie kein nationales, sondern ein vollwertiges JAR FCL 3 Medical benötigen. Unsere Segelflugschüler bleiben daher momentan ebenso noch am Boden, oder zahlen teure Gutachten ohne Garantie eine Tauglichkeit zugesprochen zu bekommen.

Eckhard Völlm

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 07. Dezember 2018 um 14:34 Uhr