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ZÜP nun auch für Segelflieger

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Wer bislang glaubte, es handele sich um eine Info aus dem Bereich der Fabeln und Märchen, schliesslich hatte der DAeC es dorthin verwiesen, und eine Herausnahme der Segelflieger als Erfolg gewertet (lese ganz unten hier auf daec.de), der wird dieser Tage eines Besseren belehrt.

Die meisten Segelflieger haben die Eintragung einer Berechtigung für 'Nichtselbsstartende Segelflugzeuge', und sind damit ebenfalls unter Terrorverdacht. Denn auch ein nichtsselbststartendes Segelflugzeug (siehe Definition der Verbände hier), das als Heimkehrhilfe einen kleinen Hilfsmotor mit 22 KW und 16 Liter Kraftstoff eingebaut hat, ist nun ein Terorrinstrument, und muß in diesem Staate mit Mitteln der ZÜP bekämpft werden.

Segelflugzeuge mit Heimkehrhilfe sind sehr im Kommen und beliebt bei Vereinen wie auch privaten Flugzeughaltern, da sich aufwendige Rückholaktionen auf verstopften Straßen und mit immer weniger Personal in den Vereinen kaum noch durchführen lassen. Das ist sicher sinnvoll, bereits schon durch die mittlerweile hohen Benzinpreise. Ein Segler mit Heimkehrhilfe kann mit wenigen Litern Benzin leicht eine Rückholaktion von gern ein paar hundert Kilometeren mit einem Anhängerfahrzeug vermeiden. Er kann mit eigener Kraft zum Fluggelände zurückkehren, und schont dadurch Straßen, Geldbeutel und die Umwelt. Oft genügen nur 5 Minuten Motorlaufzeit und 1-2 Liter, um am späten Nachmittag den Anschluß an ein neues Aufwindgebiet zu bekommen.

Somit haben sehr viele Segelflieger den Eintrag dieser Berechtigung, und erhalten jetzt tatsächlich in Baden Württemberg und bald auch in anderen Bundesländern, dieses Schreiben mit einer Aufforderung auf die Grundrechte zu verzichten, und einem Screening durch MAD, Polizei, Zollgrenzschutz, Arbeitgeber, den Geheimdiensten aller bereisten Länder, und sogar Stasi-Akten(!), zuzustimmen. Wer dieses Papier signiert, muss nicht nur alle weiteren Kosten für die derzeit jährlich angedachte Überprüfung übernehmen, er muß sich auf Einiges gefasst machen. Die Segelflieger werden damit ebenfalls zu potentiellen Terroristen gestempelt und in eine Reihe mit Al Quaida Sympathisanten gestellt. Gewissensbefragungen, die nicht nur den Verdacht der Spitzelei aukommen lassen, deren Durchführung tatsächlich unsere kühnsten Vorstellungen übertrifft.

Wir haben keinerlei Verständnis dafür, dass ein Flugzeug, das sich noch nicht einmal von selbst in die Luft begeben kann, Sprit für gerade mal eine Stunde Motorlaufzeit mitbringt, ein Leergewicht von typisch 350 kg besitzt und eine Reisegeschwindigkeit von ca. 100 km/h erreicht, als geeignete Waffe eines Selbstmordattentäters gesehen wird. Wie blöd muß ein Attentäter sein, ein solches Gerät für einen Anschlag zu wählen. Kein Fall ist bekannt, dass jemals ein entführtes Segelflugzeug mit Hilfsantrieb die Sicherheitslage eines Landes dieser Erde bedroht hätte. Jeder Laie sieht sofort, dass dies schon technisch überhaupt nicht möglich ist.

Dennoch hält unser Innenministerium an seinen Plänen fest, auch diese Leute von Ihrem Sport abzuhalten. Bleibt zu beobachten, ob die neue Dimension der Gewalt wie neulich am Bahnhof von Stendal durch solche Maßnahmen in den Griff zu bekommen ist. Ob die Politik, Vereine und Ehrenamt auf diese Weise zu schädigen, langfristig aufgeht, werden die nächsten Monate zeigen. Frankreich stellt in diesen Tagen 5000 Sozialarbeiter ein, um der Lage im Land Herr zu werden. Jugendliche ohne Zukunft hatten tausende Autos in großen Teilen eines Pariser Vororts in Brand gestekt.

"Sinnvolle Freizeit Segelfliegen" - mit diesem Leitsatz sind Generationen von Segelfliegern groß geworden und wurden von ehrenamtlichen Fluglehrern zu verantwortungsvollen Menschen und Piloten erzogen und ausgebildet. Haben diese Werte in der heutigen Zeit keine Bedeutung mehr? Wo bleibt die Wertschätzung gegenüber dem Ehrenamt? Linkverweis: Thema Ehrenamt und Verantwortung

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 31. März 2015 um 13:32 Uhr