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Brief an Minister Schily

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Sehr geehrter Herr Minister Schily,
Herr Felix Eltner hat mein Schreiben an Sie beantwortet. Gestatten Sie mir dennoch, daß ich mich wieder an Sie wende um zu versuchen Ihnen meine Einwendungen zu erläutern. Mir ist bewußt, daß Sie vielbeschäftigt sind und daß mein Thema sicherlich in der Prioritätsliste in Ihrem Haus nicht unbedingt ganz oben steht.

Aber ich denke, die Tatsache, daß eine Bevölkerungsgruppe, die in der Vergangenheit kaum durch negative Berichte in Erscheinung getreten ist, plötzlich in einen Pauschalverdacht eines schwerkriminellen Handelns gestellt wird, aus dem sich jeder Einzelne durch eine Behördenüberprüfung freikaufen muss, gibt mir, denke ich, das Recht, den zuständigen Minister direkt und persönlich anzusprechen.

Ich möchte mich über den Stil der Antwort, die auf keine meiner Argumente eingeht, nicht weiter äußern; abgespeicherte Formbriefe mit dem Computer per email zu versenden ist einfach, effektiv und billig. Ich habe sowohl meinen ersten Brief an Sie, wie auch diesen Brief nicht von einer Vorlage kopiert und weiterversendet, sondern selbst geschrieben. Grundsätzlich: Ich gebe Ihnen uneingeschränkt Recht! Sicherheit im Luftverkehr ist eine wichtige Staatsaufgabe und nach dem 11. September muß auch jedem klar sein, daß ein Flugzeug, als Waffe benutzt, ein tödliches Massenvernichtungsmittel sein kann.

Hier setzt aber meine Kritik an: Ein Kleinflugzeug (z.B. ein Motorsegler mit 850kg Gewicht und 60 Litern Treibstoff an Bord) ist sicher keine Waffe, die ein gefährlicher Terrorist auswählen würde. Die Zuladung ist so gering, daß selbst der Treibstoff in Verbindung mit der Ladung keine größeren Schäden anrichten kann. Mit weitaus weniger Aufwand kann ein gemieteter Klein-LKW mit 2,5 Tonnen Zuladung wesentlich mehr Schaden anrichten, als besagter Motorsegler.

Noch dazu ist es für den potentiellen Attentäter wesentlich einfacher diesen LKW zu mieten und zuhause im abgeschlossenen Hof zu präparieren, als in einem Verein an einen Motorsegler heranzukommen, den er unter den Augen der Öffentlichkeit am Flugplatz vorbereiten müsste. Die Erweiterung des Personenkreises, der der Zuverlässigkeitsprüfung nach § 7 des Luftverkehrsgesetzes unterliegt, ist unangemessen und diskriminiert die Luftsportler.

Da die Zuverlässigkeitsüberprüfung jährlich zu wiederholen ist und auch noch vom Piloten selbst zu bezahlen ist, macht sie das Fliegen einfach teurer. Außerdem fördert Sie wiederum die Bürokratie in unserem Lande. Luftsport in Deutschland war bisher durch die Vereinsstrukturen nicht übermäßig teuer und auch einfache Bürger, wie auch Schüler und Arbeiter mußten hauptsächlich Engagement anstelle von Geld mitbringen, um diesen Sport zu betreiben. Vom RP Düsseldorf, welches voreilig bereits Informationen an Piloten herausgegeben hat, wissen wir, daß für jede Überprüfung 125 € zu bezahlen sind. Das schließt Menschen mit wenig Geld vielleicht ganz von der Teilnahme an diesem Naturerlebnis aus.

Gerade die Tatsache, daß Luftsport in Deutschland nahezu ausschließlich in Vereinen betrieben wird, bringt einen sehr hohen Sicherheitsstandard mit sich. Gerade der oft als Beispiel zitierte verrückte Motorseglerpilot über Frankfurt zeigt, wie wirksam das System ist. Er wurde von zwei Vereinen, bei denen er Fliegen lernen wollte, abgelehnt, hat dann in einer kommerziellen Flugschule eine Lizenz erorben, die jedoch schnell wieder aufgegeben wurde. Erst Jahre später hat er sich mit Waffengewalt einen Motorsegler geraubt und seinen Irrflug gemacht. Dieser Verrückte wäre durch Ihr Gesetz überhaupt nicht erfasst worden. Genauso wenig werden ausländische Piloten erfasst. Ganz nebenbei wäre der durch den Motorsegler an einem Frankfurter Hochhaus angerichtete Schaden sicherlich bedauerlich gewesen, aber katastrofale Ausmaße hätte er sicher nicht angenommen.

Sehr geehrter Herr Minister Schily, bitte korrigieren Sie das Gesetz; nehmen Sie die Luftsportler aus dem zu untersuchenden Personenkreis heraus. Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Blasen

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 25. März 2006 um 14:56 Uhr