Zügel entglitten?

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Was an Kommentaren zum Deutschen Luftfahrertag am 2. Adventswochenende durchsickerte, ließ Schlimmes befürchten. Der Angriff des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen auf JAR-Kontra entwickelte sich zu einem Lehrbeispiel falsch verstandenen Demokratieverständnisses.

Streckenflugforum

Auf die Stellungnahme von Joachim Zweiböhmer hinsichtlich des Inhalts der Resolution, nachzulesen auch im Streckenflugforum ließ Präsident Gerd Allerdissen antworten:

Betreff: DAeC-Mitgliederversammlung 2005 in Speyer, Resolution

Von: "Ursula Kirsch" Datum: Fr, 9.12.2005, 11:19

Sehr geehrter Herr Zweiböhmer,

vielen Dank, dass Sie mir Gelegenheit geben, einen Irrtum aufzuklären. Ein Landesverband des DAeC hat auf der Jahreshauptversammlung den Antrag gestellt, die vom Antragsteller verfasste Resolution zu verabschieden. Die Delegierten der Versammlung, das sind Vertreter der Landesverbände und der Verbände mit besonderer Aufgabenstellung haben sich mit einer eindeutigen, großen Mehrheit für die Annahme des Antrags, also für diese Resolution entschieden. Stimmberechtigt sind nach Satzung des DAeC ausschließlich Vertreter der Mitgliedsverbände. Weder ich als Präsident, noch meine Vorstandskollegen haben Stimmen. Wir sind nicht berechtigt über die Anträge zu befinden. Diese Resolution ist also nicht "meine" Resolution, sondern das Votum der Delegierten.

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Allerdissen

Im Gegensatz dazu entnehmen wir dem Forum des DAEC Claudia Gallikowskis Stellungnahme, die sich mit dem Verlauf der Diskussion und den Modalitäten der Abstimmung auseinandersetzt.

Sind hier dem Geheimdiplomaten beim Parforceritt der großen Landesverbände nördlich der Mittelgebirge die Zügel entglitten oder hat er an der voreiligen Veröffentlichung der Resolution im Luftsport mitgewirkt? Wurde Gerd Allerdissen von den Ereignissen der möglichen geheimen Koalition zwischen dem Luftsport und dem Landesverband Nordrhein-Westfalen überollt? Claudia Gallikowski verweist zu Recht auf die unterschiedlichen Stimmanteile, die durch die erhobenen Hände repräsentiert wurden. Ist das "präsidiale Augenmaß" eine justiziable Ergebnismessung?

Die Mitgliederinnen und Mitglieder erwarteten eigentlich die Initialzündung zu einer breit angelegten Aktion gegen die Gängelung des Luftsports sowie der Allgemeinen Luftfahrt. Stattdessen füllte sich das Compendium der Peinlichkeiten weiter an. So erreichte JAR-Kontra am 16.12.2005 die Nachricht, dass Frau Isolde Wördehoff ( in Speyer aus dem Vorstand des DAEC gewählt) diese Woche von ihrem Amt als Präsidentin des Landesverbandes Bayern zurückgetreten ist. Siehe hierzu: Luftsportverband Bayern. Damit schied sie wohl aus dem Kandidatenkarussell für das Präsidentenamt des DAEC aus.

Zur Zeit liegt die Anzahl der Mitpetentinnen und Mitpetenten zu Eckhards Petition "Flugbeschränkung 2006" bei über 9700. Jar-Kontra bedankt sich bei den Mitstreitern einschließlich ihren Familienangehörigen.

Link zum Mitzeichnen der Petition


Autor: Claudia Gallikowski
Datum: 13.12.05 23:31


Zum Dringlichkeitsantrag des LV NRW in der Luftsport 9/2005, S.6 (wird parallel als Leserbrief an die Luftsport gesendet):

Mich hat es befremdet, als ich direkt nach der DAeC-Jahreshauptversammlung den Dringlichkeitsantrag von NRW in der neuesten Luftsport sah. Warum haben die NRW Fliegerkameraden uns nicht in Speyer informiert, dass sie die Abstimmung in der JHV gar nicht erst abgewartet, sondern ihre Resolution vorab bereits veröffentlicht haben? Ist die Meinungsbildung auf der JHV für den größten deutschen LV entbehrlich, da NRW davon ausgeht, dass die kleinen den großen stets vertrauensvoll folgen? Und wenn im Vorfeld noch Zeit war, den Redaktionsschluss der Luftsport einzuhalten, warum wurde dieser Antrag dann nicht ganz geordnet auf die Tagesordnung gesetzt, sondern die Delegierten mit diesem Dringlichkeitsantrag überrascht? Oder wurde das Instrument des "Dringlichkeitsantrag" ganz gezielt eingesetzt, um eine eigene Meinungsbildung der Delegierten - z.B. durch Internet-Recherche und gezielte Gespräche mit der Basis - zu erschweren?
In der Überschrift des Artikels erfuhr ich, dass im Vorfeld schon weitere LV ihre Befürwortung zur Resolution zum Ausdruck gebracht haben. Von meinem LV weiß ich definitiv, dass hier keine Zustimmung signalisiert worden war! Sowohl beim Ländertreffen am Freitag als auch bei der JHV am Samstag haben die rheinland-pfälzischen Vertreter, zusammen mit den Delegierten eines weiteren LV, sehr deutlich ihre Vorbehalte geäußert. Die am Freitag von Rheinland-Pfalz vorgeschlagenen Umformulierungen wurden aber nicht berücksichtigt, so dass am Samstag ein gegenüber der Erstversion verschärfter erster Absatz die Resolution "zierte".
Folglich gelang es zu Beginn der JHV nur ganz knapp (3/4 Mehrheit war notwendig), diesen Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung zu bringen. Und als es zum Ende der JHV um die Inhalte der Resolution ging, gab es eine lebhafte, kontroverse Diskussion. Leider wurde das Abstimmungsergebnis nicht ausgezählt, sondern Herr Allerdissen hat mit präsidialem Überblick festgestellt, dass die Resolution mit großer Mehrheit angenommen wurde. Nach meiner Erinnerung haben aber - trotz weiterer Umformulierungen im 1. Absatz - mehr Personen als bei der ersten Abstimmung dagegen gestimmt, so dass wohl weniger als 3/4 der noch anwesenden Delegierten sich für die Resolution ausgesprochen haben. Ob man dieses Ergebnis wirklich als eine "große Mehrheit" beurteilt, möge jeder für sich entscheiden.
Eine Abstimmung, bei der das doch recht komplexe Ergebnis - die erhobenen Hände vertreten sehr unterschiedliche Stimmenanteile - einfach mit präsidialem Augenmaß entschieden wird, ist meiner Meinung nach einem demokratischen Miteinander nicht angemessen. Aber vielleicht bin ich aufgrund einer naturwissenschaftlichen Ausbildung und meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit in der Politik zu misstrauisch geworden, um mich von dem auf der JHV offen geforderten(!) Vertrauen in die Entscheidungen des Vorstandes überwältigen zu lassen und so allen Anträgen einfach unkritisch zuzustimmen?

Dr. Claudia Gallikowski (Vizepräsidentin des Luftsportverbandes Rheinland-Pfalz)
Die fragliche Resolution:

Die Hauptversammlung 2005 des Deutschen Aero Clubs nimmt mit Bedauern und Befremden zur Kenntnis, dass Beiträge in den Internetforen der so genannten JAR-Contra Bewegung gegen die neuen Bestimmungen der JAR, wie aber auch gegen die des Luftsicherheitsgesetzes, nicht nur an Schärfe zugenommen haben, sondern leider nicht selten in wahllosen verbalen Entgleisungen entarten.

Das ist nicht der Stil, den die deutschen Luftsportler als geeignete Art ihrer Interessenwahrnehmung ansehen; im Gegenteil steht zu befürchten, dass durch solche Vorgehensweise nachhaltig beträchtlicher Schaden zu Lasten aller Luftsportler angerichtet wird.

Die Hauptversammlung des DAeC distanziert sich deshalb in aller Form und mit allem Nachdruck von diffamierenden Äußerungen, wie sie insbesondere gegen Personen aus Politik und Verwaltung, aber auch gegen Vertreter des DAeC, in mitunter sehr beleidigender Form auf der Internetseite der JAR-Contra Bewegung erfolgt sind.

Die Hauptversammlung des DAeC fordert Politik und Verwaltung aber nicht minder nachdrücklich auf, bei der Schaffung luftfahrtbezogener Gesetze und Verordnungen, aber auch bei deren Übernahme aus europäischer Feder, und nicht zuletzt im Rahmen der Anwendung solcher Vorschriften selbst, das Gebot der Sachlichkeit und Fachlichkeit von Entscheidungen zur obersten Handlungsmaxime zu machen.

Die Bestimmungen, soweit sie von der JAR in der Vergangenheit in Deutschland, anders als in nahezu allen übrigen europäischen Ländern, umgesetzt wurden, wie aber auch die Bestimmungen des Luftsicherheitsgesetzes, genügen, bei allem Verständnis für die Notwendigkeit eines Schutzes des Luftverkehrs, seiner Einrichtungen, aber auch Dritter durch Missbrauch des Luftverkehrs, diesen Anforderungen nicht. Der Luftsport wird durch sie in unnötiger Weise belastet.

Die Hauptversammlung des DAeC bringt deshalb hiermit ihre Erwartung zum Ausdruck, dass Politik und Verwaltung die fachlichen Vertreter des Luftsports künftig bereits bei der Schaffung oder vor der Umsetzung solcher Bestimmungen fachlich angemessen einbinden.

Speyer, 3. Dezember 2005

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 08. März 2006 um 23:14 Uhr