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Zwangsversichert im Verband

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honecker.jpg In ungewöhnlicher Art und Weise greift ein Landesverband in NRW in die bestehenden Versicherungsverträge seiner angeschlossenen Vereine ein. Folgendes hat sich zugetragen:
Im Frühjahr 2005 kündigte der LV NRW an, dass er für die Vereine ein Versicherungsangebot im Haftpflichtbereich mit der Allianz aushandelt, welches in der Handhabung einfacher und im Preis attraktiver sein soll als bisherige Angebote/Verträge der Assekuranz.
Im August erhielten alle Vereine in NRW die Aufforderung, ihre bestehenden Haftpflichtversicherungen vorsorglich zu kündigen, da voraussichtlich auf dem Jahrestag im November eine Regelung verabschiedet wird, die die Vereine verpflichtet (verpflichten soll), ihre notwendigen Haftpflichtdeckungen ausschliesslich bei der Allianz über die Luftsport-Service Team GmbH beim Landesverband abzuschliessen.
Die Vereine wurden Ende September nochmal eindringlich aufgefordert, ihre Versicherungsverträge zu kündigen, da zum 01.01.2006 die Versicherung über den Landesverband eingeführt wird.

Jar Contra hat die Mechanismen analysiert, welche dieser Art von Wechsel zugrunde liegen.

Die Satzung des LV-NRW enthält die folgende Kuriosität:
"§20 Stimmrecht im Verbandstag:
1. Das Stimmrecht wird durch die Vertreter der ordentlichen Mitglieder und der Sportfachgruppen ausgeübt. 2. Auf jedes ordentliche Mitglied entfallen für jedes seiner dem Landesverband aktiv gemeldeten, beitragszahlenden Einzelmitglieder und jedes Ehrenmitglied zwei Stimmen. Eine Stimme wird von den Vertretern der Luftsportvereine selbst abgegeben, die zweite Stimme den Sportfachgruppen überlassen."

Demnach können die Vereine selbst bei Abstimmungen maximal 50% der gültigen Stimmen abgeben, der Rest der Stimmen kommt bei Abstimmungen von 'Oben', sprich den verbandsnahen Sportfachgruppen. Das heisst, wenn alle im LV dasselbe Lied singen, dann kommt "der LV" immer auf "50 x" % der Stimmen bei einer Abstimmung. Eine Einflussnahme durch die angeschlossenen Vereine ist dadurch praktisch ausgeschlossen. Selbst wenn die Vereine mehrheitlich es nicht wollen, bei Einigkeit der Sportfachgruppen geht das Ergebnis immer in deren Sinne aus. Gegenstimmen sind höchstens noch Blasphemie.

Dann klärt auch Herr Gerhard Rademacher hierzu auf. Siehe sein Rundschreiben, und missioniert in unmissverständlicher Sprache: Wer nicht mitmacht - zu welchen Bedingungen schließlich auch immer -, der fliegt raus, bzw. wörtlich:

"Hier muss dann allerdings deutlich gesagt werden, dass die betreffenden Vereine dann nicht am Verbandsausbildungsbetrieb oder am LTB-Betrieb teilnehmen können."

Hat hier Herr Rademacher, nebst einem Rahmenvertrag, gleich noch die Wege bereitet, um die Verbandsmitglieder über Repressalien zwangsweise zu Allianz Kunden zu konvertieren?

Wir finden, dies hier hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Nicht genug, dass dieser Tage Innenminister Wolfgang Schäuble plant, auch Geständnisse, die unter Zwang erwirkt wurden, künftig für Ermittlungen verwenden zu dürfen. Nun wird von Seiten der LV-Spitze in NRW diktiert, was in Punkto Versicherungen zu tun ist. Die Macht geht hier klar nicht mehr vom Volke, hier von den angeschlossnen Vereinen aus. Wer nun nicht selbst reagiert, und seine bestehenden Versicherungen rechtzeitig kündigt, ca. 70% der Vereine trifft das, hat Pech gehabt. Hier hilft dann möglicherweise nicht mal mehr beten: Der zahlt in 2006 zunächst seine Beiträge zweimal.

Durch eine weitere Kuriosität, das ist die Satzung des DAeC, sind die Vereine in den angeschlossenen Landesverbänden dazu noch zwangsweise beim Dachverband Mitglied. Die Spitzen der Länderverbände, welche überwiegend selbst diese Kreis bilden, wählen sich also quasi selbst immer wieder in den Dachverband, der hier mit der mit dem Aero Club Shop und der Luftsport Service GmbH offensichtlich mehr die Absicht einer Gewinnerzielung, als die Vertretung seiner Mitglieder hegt.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 20. Juli 2014 um 23:26 Uhr