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Die Überwachung wird ausgebaut

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Nicht genug damit, dass unsere Regierenden und Beamten die Orwell'schen Visionen umsetzen, jetzt springen auch noch unsere Verbände auf den Zug der totalen Kontrolle auf.

Der Luftsportverband NRW hat ein neues System auf seiner Prüfertagung vorgestellt. Unter dem Begriff "CAMO+" verbirgt sich ein Internet-basiertes Programm, mit welchem die Betriebszeiten und Wartungsvorgaben unserer Flugzeuge von den Prüforganisationen online und in Echtzeit überwacht werden sollen.

Der geplante Ablauf scheint ganz einfach: Jeden Morgen(!) soll über einen Internetzugang der Betrieb eines Flugzeuges an den Landesverband gemeldet werden. Dort würden dann Betriebszeiten, Startzahlen, notwendige LTA's und notwendige TM's in einer Datenbank geprüft. Die Freigabe für den Betrieb des Flugzeuges würde online erteilt werden.

Eine ähnliche Prozedur am Abend: Startzahlen, Flugzeiten und eventuelle Störungen müssten über das Internet an den Landesverband übertragen werden um die Datenbank entsprechend zu aktualisieren.

Klingt alles sehr modern. Wie aber soll das auf Segelfluggeländen funktionieren, die über keinen Internetanschluss verfügen? Was passiert, wenn an großen Plätzen in kurzer Zeit 100 Flugzeuge angemeldet werden müssen? Gehören bald auch Handy, Laptop und ein Vertrag über mobiles Internet zum vorgeschriebenen Equipment? Die Antwort darauf sind die Befürworter dieses Systems bisher schuldig geblieben.

Überhaupt, worin begründet sich die Notwendigkeit für solch ein aufwendiges System? Wieviele Unfälle durch abgelaufene Gurte oder Kupplungen sind passiert? Lassen diese sich durch Online-Überwachung verhindern? Geht man hier nun wie beim Medical einen entscheidenden Schritt zu weit und gehen die Prüfer nicht entscheidend über ihre Kompetenzen hinaus?
Wo bleibt für die ausgebildeten und zertifizierten Flugzeugwarte, Motorseglerwarte und Werkstattleiter die Freiheit der eigenen Entscheidung?

Die EASA schreibt die tägliche Kontrolle der Lufttüchtigkeit durch die CAMO mit keinem Wort vor. Wie schon immer hat der Halter vor jedem Flug sicher zu stellen, dass die Lufttüchtigkeit vorliegt. Das ging bisher ganz ohne täglichen Datenabgleich und kann auch in Zukunft so funktionieren. Roland Stuck hat die kommenden Vorschriften in seinem Vortrag am Deutschen Segelfliegertag in Aschaffenburg erklärt, siehe EGU Latest News.

Bahnt sich mit CAMO+ wieder einmal eine typisch deutsche Sonderregelung an? Sie käme einer Totalüberwachung von Kraftfahrzeugen durch den TÜV gleich, die die Handbremse erst nach Messung und Übertragung der aktuellen Abgaswerte per Internet frei gibt.

Der angebliche Grund für dieses System: Der Prüfer hat alle Informationen zeitnah zur Verfügung.

Heute legen wir dem Prüfer das Bordbuch vor, in dem alle Zeiten, Startzahlen und Störungen eingetragen sind. Damit hat er die gleichen Informationen. Es ist zwar altmodischer als das vorgestellte System, funktioniert aber seit vielen Jahrzehnten Bestens und sichert einen bereits hohen Standard in Bezug auf die Sicherheit der Geräte.

So hat das bisherige System deutliche Vorteile:

  • Es funktioniert auch ohne Internetanschluss
  • Es gibt keine Engpässe bei der Datenübermittlung
  • Es benötigt keine teure Software bei den Prüforganisationen

 

Die moderne Welt hat sicher viele Vorteile. JAR-Contra wäre z.B. ohne das Internet gar nicht nicht möglich. Aber Internetnutzung zum Selbstzweck?

Das Argument der "schwarzen Schafe" geht so sehr ins Leere wie bei Medical, bei der ZÜP und bei den Sperrgebieten. Wer sich nicht an Vorschriften halten will, der tut das auch nicht. Ob mit Internetüberwachung oder ohne Internetüberwachung.

Fazit: Wehret den Anfängen! Eine totale Überwachung durch unsere eigenen Verbände - das ist das Letzte, was wir in der heutigen Zeit benötigen.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 11. März 2007 um 12:15 Uhr