Perfekt verwaltet, trotzdem eine Offenbarung

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Ein vor Kurzem veröffentlichter Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) macht deutlich, was es bedeutet, wenn Bürokratie wichtiger wird als technische Überwachung. Menschenleben könnten gerettet werden, wenn die Dinge wichtig genommen würden, auf die es ankommt!

Nicht nur die FA-01 "Smaragd" von Fläming Air zeigt aerodynamische Instabilitäten; die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) im Dezember 1993 an das Gerätebüro des DAeC überstellte Zulassung von Luftsportgeräten ist damit offenbar selbst ins Trudeln geraten. Dies wird deutlich, denn der Unfall mit diesem Typ war kein Einzelfall, es ereigneten sich zwei weitere, sehr ähnlich verlaufene Unfälle. Es stellt sich die Frage, ob die Zulassungsprozeduren in der derzeitigen Form Sinn machen. Die Lufttüchtigkeit vergleichsweise bei JAR-22 hätte nie erteilt hätte werden dürfen.


Wie üblich und gesetzlich vorgeschrieben, hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung den Vorfall eingehend untersucht und darüber einen Bericht angefertigt. Der Bericht fiel außergewöhnlich lang aus und die Veröffentlichung dauerte unüblich lange. Aus dem Bericht geht eindeutig hervor, daß sich das Luftsportgerätebüro des Deutschen Aero-Clubs (DAeC) bei der Zulassung von Ultraleichtflugzeugen hauptsächlich auf das Verwalten von Dokumenten beschränkt hat

Technische Aspekte, also der eigentliche Kern der Aufgabe, hat man vertrauensvoll dem überlassen, den man eigentlich kontrollieren soll: Dem Hersteller.

Ohne all die Details des Berichts zu wiederholen: Ursache des Unfalls war weder schlechtes Wetter, noch Fehlverhalten der Piloten, noch ein Mangel an Prüfungen oder Betriebsunterlagen. Das Flugzeug hätte gar nicht erst für lufttüchtig erklärt werden dürfen.

Wie so oft, kann kein Single Point of Failure ausgemacht werden. Es gibt zahlreiche Sachverhalte und Indizien, die zu der Katastrophe beigetragen haben.

Die fliegerische Öffentlichkeit fragt sich auch, warum die Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung erst nach zwei Jahren nach dem bedauerlichen Unfall den Flugunfallbericht veröffentlicht. Eine rechtzeitige Veröffentlichung und eine Begehung bei Fläming Air durch die Außenstelle des LBA hätte wohl den tragischen Unfall von Angelika Machinek am 12. Oktober 2006 in einer FA-01 "Smaragd" verhindert, zumal bereits im Bulletin 0505 aus dem Mai 2005 auf den Unfall hingewiesen wurde.

 

Nachtrag:

Schon kurze Zeit nach Veröffentlichung des Artikels hat uns eine umfangreiche Stellungnahme Fläming-Air's zum Bericht der BFU erreicht.

 

 

Links:

Der Bericht der BFU

Die Beauftragung des DAeC durch das Minsterium

Stellungnahme Fläming Air

Bericht beim Magazin "Pilot und Flugzeug"

 

Photo: Aus dem Bericht der BFU.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 23. Oktober 2008 um 18:50 Uhr