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Die EGU und das Medical

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Nachdem die Kommentierungsfrist für die NPA 2008-17 abgelaufen ist beruhigen sich langsam die Wellen und Kommentare unserer Verbände erreichen das Licht der Öffentlichkeit. Im Kommentar der European Gliding Union (EGU) habe ich auffällig ausführliche Kommentare zum Thema Medical entdeckt.

Damit sich Jede(r) ein eigenes Bild von der Auffassung der EGU machen kann, habe ich deren erklärenden Kommentare (-> 2008-17a) zum Thema Medical aus dem Englischen übersetzt:

(Die Originale gibt's hier: 2008-17a, 2008-17b und 2008-17c)


 

Kommentar #345 zu Seite 0 (generell)

Die EGU, die etwa 82.000 Segelflugpiloten in der EU repräsentiert, unterstützt sehr den FCL Vorschlag, zwei Segelfluglizenzen, die sich nur durch verschiedene medizinische Standards und verschiedene medizinische Zertifizierungsprozesse unterscheiden. Die EGU unterstützt eingehend die in den LPL medizinischen Standards enthaltenen Prinzipen, die es einer erheblichen Anzahl von Segelflugpiloten erlauben wird ihr Recht zu fliegen bei einem absolut minimalen Risiko für Andere auszuüben oder fortzusetzen. Dieses Prinzip ist im Einklang mit der Erklärung der Kommission, enthalten im Komitee für Transport des Europäischen Parlaments, dass Regulierungen proportional zum Risiko sein müssen.

 

Kommentar #348 zu Seite 4 - 7:

Seite 7, Punkt 1:

Medizinische Zertifikate werden von Luftmedizinischen Zentren oder Luftmedizinischen Untersuchern und, für die Freizeitpilotenlizenz 10, ein Allgemeinmedizinischer Arzt, wenn die nationale Gesetze dies erlauben, ausgegeben.

Kommentar: die EGU ist einverstanden und unterstützt diese Herangehensweise sehr.

Es wird anerkannt, dass es in vielen Ländern kontrovers ist, medizinische Zertifikate durch Allgemeinärzte ausgeben zu lassen. Jedoch ergibt sich dies aus kommerziellen Interessen und nicht aus irgend einer Erkenntnis von Sicherheitsvorkommnissen. Die Basic Regulation erkennt klar (Artikel 7, Paragraf 2), dass es der Vorteil eines Hausarztes ist, dass er den Bewerber kennt. Wie in späteren Kommentaren wiederholt werden wird, ging dieses grundlegende Prinzip der 216/2008 in dieser NPA verloren. Alle europäischen Staaten haben Gesundheitssysteme entwickelt, Kinder werden untersucht, auf Sehfähigkeit untersucht, Brillen bei Bedarf verschrieben, Krankheiten untersucht und behandelt. All dies wird irgendwo aufgeschrieben. Die British Gliding Association (national regulierende Einrichtung für Segelflug in Grossbritannien) führte die Praxis ein, einen Allgemeinarzt mit Zugang zur medizinischen Historie eines Bewerbers zu fordern, nachdem in den 1960ern ein epilleptischer Fluglehrer sich und seinen Flugschüler umgebracht hat. Die Fluglehrerlizenz wurde ausgegeben ohne seine Krankheit aufzudecken. Ehrlichkeit hat sich nicht verbessert, wie ein aktueller Report aus den USA[1] zeigt. In der wissenschaftlichen Literatur wurde von undeklarierten und disqualifizierenden Therapien berichtet[2]. Es ist die Erfahrung der BGA, dass der Abgleich eines Hausarztes mehr Sicherheit als die Untersuchung durch einen Fliegerarzt bietet, der sich auf die unbewiesene Selbsterklärung des Bewerbers verlassen muss. Ein Hausarzt ist kein zweitklassiger Fliegerarzt. Feststellung der Eignung eines Piloten wird mit verschiedenen Methoden erreicht. Alternative Systeme sind in anderen EU-Staaten in Gebrauch. Zum Beispiel sind in Belgien eine begrenzte Anzahl Hausärzte (eine Gruppe von 50 Ärzten mit weiter geografischer Verbreitung) anerkannt, vorzugsweise mit Zusatzausbildung in Sportmedizin (um den Bestimmungen der Sportgesetzgebung zu genügen). Diese Hausärzte können sich auf eine geeignete Anleitung stützen, die die medizinischen Kriterien gemäss ICAO Class II beschreibt, Anleitungen, wie Untersuchungen durchzuführen sind, Administration (Formulare ausfüllen) und das führen von Aufzeichnungen. Ein System, das 50 Jahre ohne Probleme funktioniert hat und für jedermann erschwinglich ist (ca. 30 Eruo/Untersuchung)!

Vorschlag der EGU:
Wo geeignete Aufzeichnungen existieren sollte ein Hausarzt einen Piloten ohne weitere Untersuchungen zertifizieren dürfen. Dies folgt dem Prinzip der fortgesetzten Lufttüchtigkeit von Flugzeugen, wo entweder eine anhaltende Verbindung erhalten wird oder unabhängige Untersuchungen durchgeführt werden. Wie später in der 17c kommentiert werden wird, sind die Vorschläge für die LPL bei Weitem zu kompliziert und es wird das Formular der Neuseeländischen Segelflugvereinigung empfohlen[3]. Dies ermöglicht entweder eine Untersuchung oder eine Anerkennung aufgrund von Aufzeichnungen. Es muss bestätigt werden, dass vom Hausarzt ausgestellte Zertifikate auch im Ausland, unabhängig von der dortigen Gesetzgebung, gültig sind.

Die EGU empfiehlt stark, dass die EASA anerkannt funktionierende Verfahren in mehreren EU-Staaten nicht ignoriert und Systeme und Prozesse, die sich über viele Jahre als funktionierend heraus gestellt haben, nur um der EU-Standardisierung Willen aufgibt. Wenn "Acceptable Means (plural) of Compliance" [Anm. = Anerkannte Verfahren; die AMCs] die wahre Bedeutung haben soll, sollte es mehr als ein anerkanntes Verfahren geben um die Übereinstimmung mit medizinischen Standards nachzuweisen.

Referenzen:

[1] United States House of Representatives; Committee, on Transportation and Infrastructure. FAA oversight of falsifications on airmen medical certificate applications. released March 27, 2007.

[2] Ahmet Sen, Ahmet Akin, Dennis V Cranfield and Arvin K, Medical histories of 61 aviation accident pilots with post mortem SSRI antidepressant residues. Aviat Space Environ Med 2007; 78:1055-59.

[3]http://www.gliding.co.nz/sites/gliding.co.nz/downloads/MOAP/Forms/OPS/OPS%201.pdf

 

Kommentar #354 zu Seite 34 - 36:

Abschnitt 3, Paragraf 17:

"Die Selbsterklärung wurde bald verworfen, da die Basic Regulation klar ein medizinisches Zertifikat für die LPL fordert und dies kann nicht alleine auf einer Selbsterklärung basiert werden konnte."

Kommentar:
Die EGU denkt, dass dies eine Interpretation ist, die überdacht werden muss. Das Wort "examination" [= Untersuchung], das in der Basic Regulation gebraucht wird, sollte die Flexibilität haben, entweder eine Untersuchung medizinischer Aufzeichnungen oder eine physische Aufzeichnung zu beschreiben. Welche Form "examination" annimmt, sollte in der Hand des Doktors sein. Die EGU glaubt, dass die EASA eine enge und einseitige Interpretation des Wortes "examination" gewählt hat. Eine Untersuchung der medizinischen Aufzeichnungen eines Bewerbers (wo vorhanden) wird die Selbsterklärung eines Piloten bestätigen. Wenn dieser Vergleich mit den Aufzeichnungen die Selbsterklärung nicht unterstützt kann der Doktor auf andere Möglichkeiten zurückgreifen um festzustellen, ob ein Bewerber die medizinischen Anforderungen erbringt, inklusive einer physischen Untersuchung.

Es sollte auch erwähnt werden, dass es beim Gebrauch von Selbsterklärungen keinen Sicherheitsvorfall gegeben hat. Zwischen 1967 und 2003 forderte die British Gliding Association (BGA) nur eine Selbsterklärung entsprechend dem Standard des Autoführerscheins. Unfalluntersuchungen zeigten keinen Anhaltspunkt, dass dies unsicher wäre. Für weitere Vergleiche, in den USA ist für die Sport Pilot Licence, mit der man auch Passagiere befördern darf, nur ein gültiger Autoführerschein erforderlich und es gibt, weil diese Lizenzen vom Staat ausgegeben werden, noch weniger Einheitlichkeit als in Europa, wo Führerscheine von einer Direktive[1] kontrolliert werden. Weiterhin basieren die medizinischen Anforderungen für französische Ultraleichtpiloten auf einer Selbsterklärung und eine kürzliche Untersuchung der französischen DGAC[2] zeigt, dass die Unfallzahlen aufgrund medizinischer Ursachen bei Ultraleichtpiloten nicht höher als bei konventionellen Flugzeugpiloten sind.

Referenzen:

[1] Council Directive 91/439/EEC of 29 July 1991.

[2] Rapport DGAC sur la sécurité de l’activité vol Moteur N° 004780-01 April 2007

 

Kommentar #355 zu Seite 34 - 36:

Abschnitt 3, Paragraf 17:

"Die Untergruppe FCL.001 Medical erhielt von der Untergruppe MDM.032 Lizensierung einen Vorschlag, in dem die Möglichkeit eines ICAO Class 2 Medicals als nicht angemessen betrachtet wurde und der spezifische Anforderungen für medizinische Zertifikate für LPL unterhalb der ICAO Standards, angepasst auf das Risiko der privaten Fliegerei, vorschlug."

Kommentar:
Die EGU unterstützt voll den Sub-ICAO Weg für die LPL. Jedoch sieht die EGU keinen Grund, warum ein Verfahren mit Selbsterklärung, unterstützt von einer Untersuchung durch einen Hausarzt - entweder durch aktuelle medizinische Aufzeichnungen ODER physische Untersuchung, falls solche Aufzeichnungen fehlen - nicht ausreichen soll und fordert ernsthaft zu erwägen, diesen sehr bewährten Prozess für Segelflugpiloten beizubehalten.

 

Kommentar #356 zu Seite 36 - 37:

Paragraf 22:

"Die Ausbildung des Hausarztes .... und die notwendigen Schlussfolgerungen über die Eignung zu ziehen"

Kommentar:
Die EGU hat den Eindruck, dass der Entwurf der Anforderungen für die Zulassung von Hausärzten, medizinische Zertifikate für LPL Piloten auszugeben, zu hoch gesetzt wurden. Es sollte im Kopf behalten werden, dass sie die Eignung von privaten Freizeitpiloten untersuchen und nicht die von Astronauten oder von Karrierepiloten komplizierter Militärflugzeuge oder Airliner.

Ein regelmässiger Besuch beim Hausarzt - sogar wegen etwas Kleinerem - gibt eine wesentlich besseres Bild von der Eignung/Situation als eine Untersuchung bei einem Fliegerarzt [AME] (der oft den Kandidaten überhaupt nicht kennt) alle 2 oder 5 Jahre.


Auswahl und Übersetzung: Markus "Traumflug" Hitter

Zuletzt aktualisiert am Montag, 04. Mai 2009 um 11:09 Uhr